Ich war nie wirklich sportlich, das ist die traurige Wahrheit. Fußball, Volleyball, Eislaufen und Tennis waren im Sportunterricht nie meine Stärken. Aber… ich war schon immer ein begnadeter Läufer. In meiner Studienzeit konnte ich auch an einigen Wettbewerben mitmachen. So habe ich beispielsweise 2005 den Ebreichsdorfer Stadtlauf mit Platz 1 absolvieren können. Aber wie das Leben oft so spielt können sich Prioritäten verändern. Für mich wurde der berufliche Erfolg zu meinem erstrebenswertesten Ziel. Die Arbeitszeiten wurden allmählich länger und die Ruhezeiten kürzer. Anfangs merkt man das gar nicht mehr, aber irgendwann arbeitet man nahezu rund um die Uhr und es dreht sich alles nur noch um die Arbeit und ums Geld verdienen. Man hat für nichts und niemanden mehr Zeit, auch nicht für sich selbst. Weil alles schnell gehen muss fängt man an nur noch Fertigprodukte und vor allem ungesunde Lebensmittel in sich reinzustopfen. Ich habe über Jahre hinweg Unmengen an Kebab, Süßigkeiten und anderen Kalorienbomben konsumiert. Mit meinem Leben war ich aber zu diesem Zeitpunkt jedoch sehr zufrieden. Habe gut verdient, war glücklich verheiratet und es hat mir an nichts gefehlt. Dann ging alles recht schnell. Das Unternehmen, dem ich meine Zeit geopfert habe, ist wirtschaftlich den Bach runtergegangen und ich musste als einer der Besserverdiener meine Sachen packen – ohne ein Danke für die unzählbaren und unbezahlten Überstunden. Einige Monate später der persönliche Supergau. Aus dem Nichts heraus will sich meine Frau scheiden lassen. Da wurde mir das erste Mal so wirklich bewusst, dass alles im Leben vergänglich ist. Nicht nur der Job und Beziehungen, sondern auch die Gesundheit. Ich habe es lange geleugnet und zu beschwichtigen versucht, aber ich fühlte mich ständig kränklich, lustlos und müde. Generell halte ich von Neujahrsvorsätzen nichts, denn solche Vorsätze sind nur Schall und Rauch. So schnell wie man sie sich gesetzt hat, so schnell sind sie auch schon wieder vergessen. Aber ich wusste, dass ich etwas ändern muss und somit habe ich mir mit Anfang 2019 vorgenommen abzuspecken und wieder fit zu werden.
Mehr mit Frust, denn mit Freude, habe ich begonnen laufen zu gehen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Kampfgewicht von 105 kg und jedes einzelne Kilo hat sich bei körperlicher Anstrengung bemerkbar gemacht. Anfangs habe ich mich für eine Laufdistanz von 5 km entschieden, gerade passend um sich etwas zu bewegen. Ein paar Wochen später habe ich erhöht auf 10 km und das im Schnitt dreimal wöchentlich. Die Ernährung habe ich komplett umgestellt. Zuckerhaltige Lebensmittel habe ich fast vollständig verbannt, dafür hat reichlich Gemüse und Obst Platz auf meinem Speiseplan gefunden. Durch das Kaloriendefizit, das sich dadurch eingestellt hat, habe ich innerhalb von 6 Monaten 20 kg verloren und diese seither gehalten. Ich fühle mich so fit wie nie zuvor, mein VO2 steht bei 60 und das ist schon eine recht gute Leistung. 2019 war für mich also ein recht spannendes Jahr und ich bin überzeugt, dass es 2020 auch werden wird. Höhepunkt in den nächsten Monaten wird der Vienna City Marathon sein. Ich bin nervös, aber ich weiß, dass ich ihn schaffen werde, denn wer nicht aufgibt kann alles im Leben erreichen.
Meine Erfolge 2019
VeloRun:
10 km | 38:58 | 03:53 km/min
Wachau Halbmarathon:
21,1 km | 01:27:58 | 4:10 min/km
Vienna Night Run:
5 km | 00:18:01 | 03:36 min/km
Megamarsch (wandern):
100 km | 22:35:00
Laufleistung Feb.-Dez.:
924,96 km
Laufeinheiten:
103