Gestern hatte ich den Lauf meines Lebens, 36:07 für 10 km. Eine Wahnsinnszeit, einfach unglaublich, hätte nicht damit gerechnet. Meine persönliche Bestzeit habe ich damit um fast zwei Minuten übertroffen. Dennoch, mit der Freude kam auch die Enttäuschung. Aber mal von Anfang an…
Mein erster „realer“ Lauf nach Monaten Pause, bedingt durch so ein deppertes Virus, das die Welt in einen Ausnahmezustand versetzt hat. Start des Summer Night Race vom LCC-Wien um 21:00. So gar nicht meine Zeit was das Laufen betrifft. Bin eher der Morgenmensch, nüchtern und gut ausgeschlafen habe ich einfach die besseren Karten bei einem Lauf. Diesmal eben etwas anders und für mich nicht ganz klar was und wann ich essen sollte, um nicht mit vollem Bauch auf die Strecke zu müssen. Am Abend des Vortags also noch ein paar Kohlenhydrate geschaufelt, ein ausgiebiges Müsli in der Früh und zu Mittag einen Salat.
Solche Läufe machen mich sehr nervös und ich muss gefühlt 10 Mal aufs WC laufen. Bei so kleinen Läufen stehen die Chancen doch recht gut ganz vorne mitzulaufen. Die Voraussetzungen für den Lauf waren optimal. Garmin attestierte mir Höchstform und ich habe mich auch so gefühlt. Extra noch 2 Tage Laufpause zuvor eingelegt, um nicht mit müden Beinen am Start zu stehen. Gewitter war zwar angesagt, blieb aber aus.
Ich war einer der letzten in der Startaufstellung. Habe ich ganz bewusst so gewählt, um mir auf der Strecke jemanden aussuchen zu können, der vom Pace her so schnell läuft wie ich. Nach dem 1 km wusste ich aber, dass das heute mein Tag werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt waren schon nur noch ein paar Läufer vor mir. Die Aufholjagt konnte also beginnen. Angepeilt habe ich 37:59. Die ersten Kilometer mit souveräner Pace, ab Kilometer 8 dann noch etwas auf die Tube gedrückt und der letzte Kilometer auf Anschlag.
Durch das Ziel mit eine Hammer-Zeit und nicht mal erschöpft, keine Schmerzen, keine Atemnot, absolut geiles Feeling. Ich bin als 4. durchs Ziel und habe gehofft, dass die Läufer vor mir nicht in die M-30 Klasse fallen. Gewertet wurde auch ein weiterer 10 km Lauf an diesem Tag, somit war hier noch ein Unsicherheitsfaktor.
Und dann kamen die Ergebnisse… Gesamtrang 6, Klassenrang 4 mit einem Abstand von 4 Sekunden zum 3. Platz. Verdammt!!!! Das ist bitter… mir wären 20 Sekunden oder mehr lieber gewesen, denn die hätte ich nicht mehr rausholen können. Das war wirklich deprimierend. Darüber musste ich wirklich schlafen, um damit klarzukommen.
Heute sehe ich die Dinge differenzierter. Ich habe zwar den Stockerlplatz verpasst und bin ohne Pokal nach Hause, aber ich habe ganz vorne mitgemischt. Ich laufe erst seit 1,5 Jahren und die Richtung stimmt. Irgendwann bin ich unter den Top 3. Jetzt heißt es aufstehen und weiter trainieren.